KAVG setzt Katzenschutzverordnung um

KAVG setzt Katzenschutzverordnung auf der Pohlschen Heide um

Mit dem Kreistagsbeschluss vom 19.12.2022 gilt die sog. „Katzenschutzverordnung im gesamten Kreis Minden-Lübbecke. Diese „dient dem Schutz von freilebenden Katzen vor erheblichen Schmerzen, Leiden oder Schäden, die auf eine hohe Anzahl dieser Katzen zurückzuführen sind“. Diesen Beschluss nahm Henning Schreiber, Geschäftsführer der KreisAbfallVerwertungsGesellschaft (KAVG) mbH Minden-Lübbecke zum Anlass, tätig zu werden. „Wir haben immer wieder freilebende Katzen auf dem Gelände unseres Entsorgungszentrums Pohlsche Heide gesichtet, die vor allem aus dem angrenzenden Wald zu uns kommen. Auch wenn diese „Wilden“ nicht von uns gefüttert wurden und wir daher als KAVG nicht im eigentlichen Sinne „Haltungsperson“ sind, wollten wir Verantwortung übernehmen. Daher haben wir uns mit dem Tierschutzverein Minden sowie dem kooperierenden Verein „Menschen für Tierrechte Minden e.V.“ (MFT) in Verbindung gesetzt, um die richtige Vorgehensweise zur Umsetzung der Katzenschutzverordnung zu besprechen.“

Gesagt, getan. An mehreren Plätzen wurden sog. „Lebendfallen“ aufgestellt, die auch während der Fangaktion betreut wurden. Besonders nach Feierabend, wenn es auf dem Gelände ruhiger ist, konnten die Katzen dem angebotenen Futter nicht widerstehen (gebratenes Hähnchen scheint besonders verlockend zu sein) und gingen in die Fallen.

Ein gutes Versteck? Als es ruhiger wurde, verschaffte sich diese trächtige Katze einen Überblick.

„Allerdings waren wir doch von der Anzahl der Katzen überrascht. Statt der vermuteten 5-7 Katzen wurden mittlerweile 15 Tiere, einige hochträchtig, mit Lebendfallen gefangen und anschließend tierärztlich versorgt. Unser besonderer Dank gilt hier den beiden ehrenamtlichen Tierschützerinnen der Organisation „Pfötchen mit Herz“, die im Auftrag des MfT-Vereins hier vor Ort in vielen Stunden ihrer Freizeit die Fangaktionen durchgeführt und sich auch um die weitere Versorgung der Katzen gekümmert haben.“, so Henning Schreiber. Seitens der KAVG betreut Mitarbeiterin Iris Aumann die Aktion.

Was passiert mit den gefangenen Katzen?

Zunächst werden alle tierärztlich in der Kleintierpraxis Kerstin Maxheim in Obernkirchen versorgt. Die Kosten für die Untersuchung, Registrierung und Unfruchtbarmachung  übernimmt die KAVG freiwillig – was laut „Pfötchen mit Herz“ ein eher seltenes Engagement darstellt: „So viel Empathie Streunerkatzen gegenüber haben wir selten erlebt. Eine solche Unterstützung gegen das Leid dieser Katzen und die Hilfe der Mitarbeiter haben unser Herz erwärmt. Viele schauen weg, wollen sich mit dem Problem nicht befassen und ignorieren diese Tiere oder wälzen es auf andere ab.“, zeigen sich die „Pfötchen mit Herz-Damen“ gerührt.

Katze im Fangkorb

Besser nicht anfassen! Nach dem Einfangen sind die Tiere erst einmal aufgeregt und „schlecht gelaunt“.  Direkt nach dem Umsetzen in Fangkörbe geht es in die Tierarztpraxis.

Nach der Behandlung werden die gesunden „sehr wilden“ Katzen (i.d.R. Kater) wieder zurück in ihr Revier gebracht; die zahmeren oder kranken Tiere sollen möglichst in liebevolle Hände vermittelt werden. Bis zu ihrem Happy End finden diese Katzen ein Übergangszuhause in Tierheimen und ehrenamtlich geführten Pflegestellen.

Und wie geht es weiter?

Update 02.2024: „Wir haben bis zum Sommer 2023 leider nicht alle Katzen fangen können und festgestellt, dass sich auch trächtige Katzen darunter befinden. Um die Welpen nicht zu gefährden, wurde die Fangaktion für ein paar Monate unterbrochen und im Herbst 2023 wieder aufgenommen. In der Zwischenzeit haben wir gezielt Futterstellen eingerichtet, um die Katzen an diese Plätze zu gewöhnen. Mit einer Wildkamera beobachten wir die Futterstellen, um einen Überblick über den Bestand zu bekommen.  Das funktioniert hervorragend, Neuzugänge können dadurch zeitnah identifiziert und gezielt gefangen und kastriert werden. Dabei entsteht auch manch witziges Foto, wenn z.B. ein neugieriges Katzengesicht direkt in die Kamera blickt“, so Iris Aumann, die sich auch über die Unterstützung der Kolleg:innen freut, die sie über Sichtungen informieren und auch schon einmal frisches Wasser und Futter nachfüllen.

Inzwischen ist die Anzahl gefangener und kastrierter Katzen auf fast 30 angestiegen. Tendenz allerdings endlich deutlich fallend. Ein Beweis, dass die Maßnahmen greifen.  Und die wenigen freiheitsliebenden Rückkehrer, die nicht vermittelt werden konnten (oder wollten?) , haben inzwischen alle einen Namen und werden bestmöglich mit Futter und Schlafplätzen versorgt.

„Was ist denn das da für ein komisches Ding?“ fragt sich hier unsere „Pfötchen“ wohl angesichts der Wildkamera.

Fotos: Privat